Inter_face_M398
inter_face, 3D Avatar und 2D Vorlage
Inter_face_F143
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Inter_face_F74
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Inter_face_F7
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Dagmar Keller
Inter/face
(in Arbeit)
3D Computergenerierte Fotografie auf Barytpapier

Ausgangspunkt für „Inter/face“ bildete die Frage, inwieweit virtuelle Spuren, die wir alle jeden Tag produzieren, zu einer neuen Form des Porträts führen könnten. Anlass für dieses Vorhaben gaben Beobachtungen, die sich zu widersprechen schienen: Einerseits fiel mir auf, das man vermehrt empfindlich auf Porträts von Menschen im öffentlichen Raum reagierte. Andererseits betrieben viele Menschen aus freien Stücken eine Art „Selbstentblößung“ im Internet und gaben unbekümmert private Daten preis.

Bei meiner Recherche und meinen Überlegungen, inwieweit mich virtuelle Spuren, die wir alle tagtäglich produzieren, zu einer neuen Form des Porträts führen könnten, stieß ich auf Porträts, die komplett von sogenannten GANs (generative adversarial networks, einem Teilgebiet der Künstlichen Intelligenz), produziert wurden und großteils verblüffend realistisch aussehen. Die KI wird mit Unmengen von im Internet zugänglichen fotografischen Porträts trainiert, -also im Grunde mit unseren digitalen Spuren, die im Internet aufzufinden sind, und produziert dann mit den erlernten Daten allerdings komplett neue, simulierte Porträts. 

Ich fragte mich, ob ich diesen hyperrealen Porträts / diesen Porträts, die keine Referenz in der Realität haben, die also nur noch leere Zeichen sind, frei nach Jean Baudrilard „Das Reale ist tot, es lebe das realistische Zeichen!“ wieder „Leben“ einhauchen könnte.
Meine Überlegungen führten mich schließlich dazu eine Auswahl von 12 solcher GAN basierter Porträts von der Webseite „this person does not exist“ mit Hilfe einer 3D Software zu bearbeiten und, ausgehend von diesen zweidimensionalen KI Porträts, 12 3D Avatare zu konstruieren. 

Diese Avatare konnte ich dann im virtuellen 3D Raum, wie in einem Studio inszenieren, ausleuchten und fotografieren. Die digitalen Fotografien meiner Avatare werden auf SW Negativmaterial ausbelichtet und im S/W Labor auf Barytpapier abgezogen.